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2013
Fußball: Biebrich 02 hofft nach Pokalhit gegen Offenbach auf Langzeitwirkung
Von Stephan Neumann
Die genaue Summe möchte Horst Klee nicht nennen. Doch der Vorsitzende des Fußball-Verbandsligisten FV Biebrich 02 spricht von einem Betrag in vierstelliger Höhe, der nach Abzug
aller Unkosten aus dem Pokalhit gegen Kickers Offenbach (0:1) übrig geblieben ist. Ein angenehmer Nebeneffekt einer aus Biebricher Sicht denkwürdigen Veranstaltung mit immerhin 1500
Zuschauer.
Der finanzielle Aspekt steht aber nicht im Vordergrund. Klee glaubt vielmehr, dass allein das außergewöhnliche Ereignis eine positive Wirkung für den gesamten Verein entfalten
wird: „Wir haben gezeigt, dass wir dem logistischen Aufwand gerecht werden können. Dazu kommt die gute Leistung der Mannschaft, die sich toll verkauft hat. Und nicht zuletzt waren viele
Besucher zu sehen, die sich länger nicht mehr hatten blicken lassen. Vielleicht stellt sich da eine Langzeitwirkung ein.“
Ein höherer Zuschauerschnitt dürfte aber nur bei konstanter Aufwärtsentwicklung zu erreichen sein. Stellt sich die Frage, ob der Pokalspiel-Überschuss auch dazu eingesetzt
wird, Verstärkungen zu holen. Klee übt sich in dieser Beziehung in Zurückhaltung: „Was wir investieren, hängt nicht von einem Spiel ab, sondern vom Gesamtbudget. Nach Ostern
werden wir in personellen Belangen die Gespräche intensivieren.“
Fakt ist aber: Nur bei steten Fortschritten und attraktiver Spielweise der mit Talenten gespickten Mannschaft werden Sympathisanten tatsächlich wieder öfter bei den Heimspielen
vorbeischauen. Kommt hinzu, dass für die nächste Runde aufgrund des Ausscheidens im Kreispokal bei Kreisoberligist Spvgg. Sonnenberg keine Option für ein attraktives Hessenpokallos
besteht. Somit liegt der Fokus ganz auf der Verbandsliga, in der die 02er zum Nobody geworden sind. Hilft nur eine sinnvolle Aufwertung des Kaders im Rahmen bestehender Möglichkeiten.
Gegen Offenbach zeigte sich, dass für Mittelfeld und Sturm punktuell nachgebessert werden muss. Schließlich brachten die Biebricher den OFC-Kasten nicht einmal in Gefahr. Ob das mit den
gesperrten Dribblern Sezer Altas und Atanas Paliakov anders gelaufen wäre, bleibt hypothetisch. Klar ist aber, dass ein Fundament mit Qualität durchaus vorhanden ist. Nun liegt es an den
Verantwortlichen, die erfolgte Imageaufwertung durch den Pokal-Höhepunkt nicht verpuffen zu lassen.
WT, 26. 03. 2013
"Eine tolle Geschichte für den Verein"
Von Philipp Durillo
WIESBADEN. Zugegeben, es war schon ein ungewöhnliches, ja teilweise sogar paradoxes Ambiente, das sich allen Beteiligten in der Dyckerhoff-Sportanlage am vergangenen Samstag bot. Da spielten
der FV Biebrich 02 und die Offenbacher Kickers vor der stattlichen Kulisse von 1290 Zuschauern um das Ticket zum Hessenpokal-Halbfinale, und nebenbei tobten einige Kinder ausgelassen über die
Aschebahn, als wäre dieses so geschichtsträchtige Spiel, das die Offenbacher am Ende 1:0 gewannen, ein belangloser Freizeitkick. Genauestens beobachtet wurde das bunte Treiben von 25
Security-Leuten und zahlreichen Polizisten, die unter der Leitung von Einsatzleiter Joachim Graffert "deeskalierend" wirken und "Störungen frühzeitig erkennen" sollten (Graffert).
Übers Spielfeld
Dies gelang den Einsatzkräften dann auch nach Spielschluss, als Offenbacher Ultras quer über das Spielfeld in Richtung Haupttribüne stürmen wollten, auf der sich einige
Personen zuvor vor allem in der zweiten Halbzeit mit Schmähgesängen gegen den OFC bemerkbar gemacht hatten. Zwar wurde mögliches Gefahrenpotenzial bereits im Keim erstickt, doch man
möchte lieber nicht wissen, was ohne die anwesenden Sicherheitskräfte nach dem Spiel auf dem Biebricher Platz los gewesen wäre. Nicht zu vergessen außerdem, dass einige (wohl
auch leicht alkoholisierte) Biebrich- und Eintracht-Frankfurt-Sympathisanten den Gästeakteuren nach Spielschluss auf die Pelle rücken wollten. Dies wurde aber durch das beherzte Eingreifen
der anwesenden Ordner verhindert.
"Wir waren auf alles vorbereitet", beschwichtigt Horst Klee, Vorsitzender des FV Biebrich, und fügt an: "Zusammen mit Kickers-Geschäftsführer David Fischer ist bereits einige Monate
im Voraus alles abgesprochen worden."
500 Offenbacher Fans
In die gleiche Kerbe schlägt Einsatzleiter Graffert: "Wir standen mit den Fanbeauftragten beider Vereine in Kontakt." Somit konnte man dann in Erfahrung bringen, dass zahlreiche der insgesamt
rund 500 Offenbacher Fans, unter anderem auch jene circa 20 Gewaltbereiten aus der Ultra-Szene, per S-Bahn anreisen würden. Wie bei einem Bundesligaspiel der höchsten Sicherheitsstufe,
wurden diese dann von der Polizei vom Bahnhof zum Sportgelände eskortiert, "was aber auch einen gewissen Service-Gedanken beinhaltete", erinnert Graffert. Auch der Einsatz von Polizei und
Sicherheitskräften sei bereits schon Wochen vorher in Einsatzbesprechungen geplant worden.
All diese Vorbereitungsmaßnahmen führten letztendlich dazu, dass den Zuschauern außer der extremen Kälte ein durchaus familiärer Rahmen und ein weitestgehend
"friedlicher Ablauf", wie es sich Horst Klee vor dem Spiel ausdrücklich gewünscht hatte, geboten wurde.
Auch mit der Anzahl der Zuschauer war Klee zufrieden: "1290 ist eine gute Zahl. Ich bin aber generell stolz, dass wir so weit gekommen sind. Das war sicherlich eine tolle Geschichte für die
Mannschaft und eine Werbeveranstaltung für den gesamten Verein."
WK, 25. 03. 2013
Es wird ein großer Tag: Biebrich 02 und seine Vorbereitungen auf das Hessenpokal-Viertelfinale gegen die Offenbacher Kickers
Heute ist der große Tag des FV Biebrich 02. Egal, wie das Hessenpokal-Viertelfinale gegen Drittligist Offenbacher Kickers ausgeht. Vielleicht wird ja sogar einer der größten Tage
der Vereinsgeschichte, wenn der Sechstligist den haushohen Favoriten ausschaltet. Doch auch bei einer Niederlage wird die Partie mit Sicherheit in allen kommenden Festschriften auftauchen.
Schließlich könnten die Biebricher einen Zuschauerzuspruch erfahren, wie sie ihn seit Jahrzehnten nicht mehr in einem Pflichtspiel hatten. Mit über 1 000 Besuchern wird fest
gerechnet, auf bis zu 1 500 oder gar 2 000 Zuschauer darf gehofft werden. Kämen weniger, es wäre im Grunde eine Enttäuschung. Denn die Vorzeichen könnten kaum besser stehen: Es
gibt nahezu keinerlei sportliche Konkurrenz am Samstagnachmittag. Die Erste und Zweite Fußball-Bundesliga spielt nicht, der SV Wehen Wiesbaden ist ebenfalls nicht im Einsatz. Für alle
Fußball-Interessierten ist daher das Dyckerhoff-Sportfeld der bestmögliche Ort in Wiesbaden, um attraktiven Sport zu sehen. Mit einer Biebricher Auswahl, die zu Vielem in der Lage scheint
– wie das 3:1 über den Stadtrivalen SV Wiesbaden vor vier Wochen zeigte. Zumal die finanziell schwer angeschlagenen Offenbacher derzeit ganz andere Sorgen als ein Hessenpokal-Spiel haben
– gut möglich, dass die Kickers den Kontrahenten ja unterschätzen.
Es bleibt zu hoffen, dass es heute wirklich nur um das Sportliche geht. Die Verantwortlichen der 02er haben jedenfalls im Vorfeld viel dafür getan, einen reibungslosen Ablauf zu
ermöglichen: Die Fans werden über getrennte Eingänge auf das Gelände geführt, das Sicherheitspersonal ist entsprechend hoch. Absolute Sicherheit vor Idioten hat man nie, aber
deuten sich bislang keine Krawalle an. So könnte letztlich der Rasen der einzige sein, der unter dem Spiel leidet. Durch die Sondergenehmigung gehen Stadt und Klub natürlich ein hohes
Risiko ein. So schlimm, wie man fürchtet, der Platz könne über Wochen hinweg ruiniert werden, scheint es aber nicht zu kommen: Dieser Tage machte das Grün einen guten Eindruck.
Aber vielleicht können die 02er ja ihre Jubelorgien nach 90 oder 120 Minuten (eventuell sogar Elfmeterschießen) dann abseits des Rasens ausleben.
WT, 23. 03. 2013
OFC-Trainer Rico Schmitt im Interview: Keine Experimente gegen Biebrich 02
Unmittelbar vor dem heutigen Auftritt im Hessenpokal-Viertelfinale beim
FV Biebrich 02 (15.30 Uhr, Dyckerhoff-Sportfeld) hat Kickers Offenbach ein Lebenszeichen von sich gegeben. Mit 2:0 setzte
sich der krisengeschüttelte Fußball-Drittligist beim Namensvetter aus Stuttgart durch. OFC-Trainer Rico Schmitt hatte umgebaut, den Ex-Wehener Sead Mehic (37) und Nicolas Feldhahn als
Mittelfeld-Sechser aufgeboten. Dazu Fabian Bäcker neu in die Startelf beordert. Umstellungen, die gefruchtet haben. Genauso wichtig wie die Partie in der Schwaben-Metropole stuft der
44-jährige Chemnitzer aber auch das heutige Spiel ein. Zumal die Gäste momentan nur über den Hessenpokal wieder an die Geldzufuhr-Quelle DFB-Pokal gelangen können. Lediglich die
ersten Vier der Drittliga-Tabelle qualifizieren sich automatisch. Hessische Vereine werden keine darunter sein. Heißt im Klartext: Nur der Hessenpokal-Sieger hat die Chance, sich mit einem
Traumlos im DFB-Pokal eine satte Zusatzeinnahme zu sichern.
Herr Schmitt, ungeachtet von Punktabzug, internen Turbulenzen und dem imposanten Schuldenstand von 9,1 Millionen Euro hat Ihr Team nach dem deprimierenden 0:1 gegen Abstiegskandidat Erfurt eine
Trotzreaktion gezeigt. Wie ist die Stimmung?
Die Gesamtlage ist schon seit längerer Zeit kritisch. In Stuttgart habe ich das System umgestellt, damit Reizpunkte gesetzt. Die Mannschaft hat das dann auf dem Platz eindrucksvoll umgesetzt.
Wir alle haben Lehren aus dem Erfurt-Spiel gezogen.
Um gelassen dem Pokalspiel entgegenzublicken?
Die Aufgabe in Biebrich ist nicht eben im Vorbeigehen zu bewältigen. Wir bereiten uns mit Körper und Geist genauso darauf vor wie auf jedes andere Pflichtspiel auch. Es gibt
überhaupt keinen Grund für personelle Experimente. Es geht mir nicht nur um ein erfolgreiches Resultat, sondern vielmehr um die Art und Weise, wie wir uns präsentieren.
Angesichts des Drei-Klassen-Unterschieds kann der Sieger doch eigentlich nur Offenbach heißen, oder?
Die Biebricher sind als Außenseiter in der gleichen angenehmen Lage, wie wir es vor unseren Pokalsiegen über Erst- und Zweitligisten waren. Wir haben die Mannschaft unter die Lupe
genommen, viele Informationen eingeholt und schon erkannt, welche Spieler in der Offensive den Ton angeben. Für uns gilt: Hohe Konzentration an den Tag legen und versuchen, von Beginn an das
Spiel zu diktieren.
Das Interview führte Stephan Neumann
WT, 23. 03. 2013
Biebrich 19 und Biebrich 76 gewinnen den Nostalgie-Cup
Von Till Pörner
Verlernt haben sie nichts, die „Alten Herren“ der Wiesbadener Traditionsclubs. Der Ball beim Nostalgie-Cup in der Dyckerhoffhalle läuft noch immer wie am Schnürchen. Vier
Stunden lang zauberten die ehemaligen Kicker von Biebrich 02, dem SV Wehen und SV Wiesbaden sowie Biebrich 19 und Biebrich 76 auf dem Biebricher Hallenboden. Am Ende entschieden Biebrich 19
(Ü40) und Biebrich 76 (Ü50) das prestigeträchtige Turnier für sich.
Für eine Vielzahl der Fußballer war das Turnier auch in diesem Jahr ein Wiedersehen mit alten Bekannten. „Hier spiele ich mit Freunden, gegen Freunde“, sagt Hermann
„Bubi“ Portugall, der in der Dyckerhoffhalle für die Ü50 der 02er antrat, in seiner aktiven Zeit jedoch auch für Biebrich 19 spielte. Der Fußball liegt ihm noch immer
schwer am Herzen. Sein Engagement als Jugendtrainer hat Portugall zwar beendet, allerdings sitzt er noch immer im Jugendausschuss bei 02 und betreut einmal wöchentlich die Vereinskneipe.
Ein ganz besonderes Teammitglied hatte die Ü40-Auswahl von Biebrich 02 in ihren Reihen. Der Sportliche Leiter Ali Gür rückte mangels Personal in den Kader. „Ich springe gerne
ein, wenn ich helfen kann“, so der 38-Jährige. Vor 15 Jahren hat er seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Wenn er in zwei Jahren zur Ü40 zählt, werde er sicherlich
häufiger beim Nostalgie-Cup auf Torjagd gehen, verspricht Gür.
Michael Klinkhammer hingegen plagen andere Sorgen. Der Trainer der SG Germania nutzte seinen Auftritt mit der „Equipe Special“ des SV Wehen als willkommene Abwechslung zum
Abstiegskampf in der Kreisoberliga Wiesbaden. „In zwei Wochen haben wir mit der Germania ein wegweisendes Spiel in Amöneburg“, blickt Klinkhammer mit ernster Miene auf den
Rückrundenstart des Teams von der Waldstraße. Beim Nostalgie-Cup steht für ihn jedoch der Spaß im Vordergrund. „Zu verbissen darf man das hier nicht sehen“, so der
erfahrene Fußballer. Zumal dafür die Kraft auch gar nicht mehr reiche.
Heftige Rangeleien
Sein Teamkollege Dirk Scherrer scheint diesen konditionellen Mängeln zu trotzen. Der ehemalige Profi von Mainz 05 bereicherte gleich zwei Teams mit seinen Ballkünsten. In der Ü40
dribbelte er für den SV Wehen, bei der Ü50 für den SV Wiesbaden. Besonders temperamentvoll ging es bei der entscheidenden Partie der Ü50 zwischen Biebrich 76 und dem SV Wiesbaden
her. Kurz vor Schluss kam es auf dem Spielfeld zu einer heftigen Rangelei. „Der Schiedsrichter hat hier beide Augen ganz fest zugedrückt“, so Heinz-Jürgen Hauzel von der
Turnierleitung. Etwa 200 Zuschauer verfolgten die Partien in der Halle. Der Erlös für das Nachbarschaftshaus Biebrich beträgt stolze 750 Euro.
WT, 04. 02. 2013
Fußball-Kreisoberligist SV Erbenheim triumphiert beim Peter-Reitz-Turnier
(nn). Das gibt garantiert Schubkraft für die Kreisoberliga-Runde: Beim Peter-Reitz-Hallenfußballturnier des FC Naurod stimmten die Spieler des Tabellenzweiten SV Erbenheim nach dem im
Neunmeterschießen errungenen 7:6 (3:3)-Finalsieg über Verbandsligist FV Biebrich 02 lautstark ihren Jubelchor an. Torhüter Philipp Lippert hatte mit seiner Neunmeterparade gegen
Mattis Oestereich den Grundstock zum Turniertriumph gelegt. Der war perfekt, als 02-Kapitän Bastian Pilger abschließend den Pfosten traf.
Breitrück-Patzer folgenlos
„Klar nimmt man durch so einen Erfolg etwas mit in die Punkterunde. Wir können wirklich stolz sein“, strahlte SVE-Crack Florian Breitrück, dessen Fauxpas im Halbfinalkrimi
gegen Titelverteidiger SVW ohne Folgen geblieben war. Breitrücks Patzer hatte Sekunden vor Schluss zum 2:2 des Sportvereins durch Philip Reichardt geführt. Doch beim
Entscheidungsschießen bewiesen die Erbenheimer Treffsicherheit und Lippert hielt gegen Pierre Massfeller. Im Endspiel kassierte der SVE durch Oestereich erneut Sekunden vor dem Abpfiff den
Ausgleich, um vom Punkt wiederum Nervenstärke zu beweisen. Neben Breitrück trugen die Feldspieler Jeremy White, Jerome Clemens, Samuel Zarukian (toller Distanztreffer gegen Biebrich),
Daniel Massfeller und Bilal Marzouki zu den Glücksgefühlen in der Kellerskopfhalle bei.
Auch der Zweite der Kreisoberliga Rheingau-Taunus sorgte für Furore. Die SG Orlen ließ schon zum Auftakt durch ein 3:1 über den SVW aufhorchen. „Taktisch klug haben die
Orlener den Sportverein kommen lassen, um mit schnellen, exakten Pässen zu kontern“, lobte Turnier-Mitorganisator Eduard Schreiner die Taunussteiner, die erst im Semifinale mit 1:4 an
Biebrich scheiterten, letztlich Dritter wurden. Weiteres Trostpflaster: Orlens Maurice Burkhardt wurde zum besten Turnierspieler gekürt.
Der FC Bierstadt schied nach starkem Start im Viertelfinale gegen Erbenheim aus, darf sich aber über einen hochkarätigen Zugang freuen. Vom SV Wiesbaden kommt Jörg Lubojanski:
„Er passt sportlich wie menschlich ins Gefüge“, hält FCB-Coach Torsten Schnabel große Stücke auf den kampfstarken Defensivexperten. Bierstadts
Gruppenliga-Gefährte TuS Nordenstadt liebäugelte mit der Verpflichtung von Ex-SVW-Coach Dietmar Aßmann. Der 51-Jährige musste jedoch schweren Herzens absagen. „Eine
hochinteressante Aufgabe. Zumal in Nordenstadt Jungs spielen, mit denen ich früher sehr erfolgreich gearbeitet habe. Doch ich bekomme es momentan beruflich nicht geregelt. Ab Juli sieht es in
dieser Hinsicht anders aus.“
Mittermeier verlängert
Bei Gastgeber FC Naurod ist in der Trainerfrage Kontinuität angesagt: Mit Reiner Mittermeier haben die FCN-Macher um Helge Dörr für die nächste Saison verlängert. Auf dem
Spielfeld stoppte Biebrichs Keeper Denis Ademovic durch drei entschärfte Neunmeter im Viertelfinale den Nauroder Tatendrang. Ändert nichts daran, dass das von 300 Zuschauern besuchte
Peter-Reitz-Turnier mit Fairplay und angenehmer Atmosphäre ein beliebter Dauerbrenner bleibt.
WT, 14. 01. 2013
SV Niedernhausen siegt beim Wiesbadener Schiedsrichter-Turnier -
1.400 Zuschauer an letzten beiden Tagen
Von Stephan Neumann
Auf dem Feld top, in der Halle auch. Beim Hallenfußballturnier der Wiesbadener Schiedsrichter-Zunft siegte Gruppenliga-Spitzenreiter SV Niedernhausen im Finale der 25. Turnierauflage durch
die Treffer von Burim Sefa bei einem Gegentor von Patrick Guido mit 2:1 über Titelverteidiger SV Erbenheim. 600 Euro Prämie und der von Oberbürgermeister Helmut Müller gestiftete
Pokal waren der Lohn für den langen Atem der Autal-Adler. „Nach durchwachsenem Start haben wir als Team zusammengefunden“, meinte der starke SVN-Keeper Sebastian Trinkl. Sefa
ergänzte: „Unsere Kurzpass-Strategie ist aufgegangen.“ Dritter wurde der VfR nach einem 2:0 über den TuS Nordenstadt.
Generell stimmte die Atmosphäre bei 1.400 Zuschauern an den letzten beiden Turniertagen. Technische Einlagen kamen nicht zu kurz, etliche Teams setzten Glanzlichter. Darunter Hellas, Meso und
Maroc. Die Germania kam überraschend ins Viertelfinale, während für Verbandsligist Biebrich 02 nach dem 3:4 im hochklassigen Duell mit dem FC Naurod in der Zwischenrunde Feierabend
war. Aussetzer, wie der von Mohamed Morchid (Kastel 46), der eine Rote Karte wegen Schiedsrichter-Beleidigung nach sich zog, blieben die Ausnahme. Es folgten noch zwei Rote Karten wegen rohen Spiels.
Das souveräne Auftreten der Referees trug maßgeblich zum fairen Verlauf vor. Die Turnierleiter Christoph Schneider, Michael Kreppel und Bernhard Kreppel hatten ansonsten nur Tore zu
notieren. Anstelle von Bosna und Schierstein 13, die nicht antraten, half Schwarz-Weiß spontan mit einem zweiten Team aus. Davon abgesehen förderte die inoffizielle Wiesbadener
Hallenstadtmeisterschaft Aktivitäten auf dem Spielermarkt zutage.
Biebricher Spielerkarussell
Verbandsligist FV Biebrich 02 meldet mit Torhüter Denis Ademovic (Rückkehrer von Kastel 06) sowie mit Yasin Yilmaz (Rückkehrer vom FC Bierstadt) und Karadeniz-Kapitän Ertugrul
Bilgili Zuwachs. Dagegen haben Markus Kusch (SC Gräselberg), Yasin Celik (SC Rüsselsheim), Harmen Baghramian und Keeper Robin Findeis (beide Ziel unbekannt) die 02er verlassen. Apropos FC
Bierstadt: Maxi Kirschner (Kastel 06) und Christoph Hinze (von Landesligist SSC Landsberg) sind neu beim FCB.
Biebrichs Klassengefährte Türkischer SV scheint seine finanziellen Probleme überwunden zu haben. „Wir sind auf Adern gestoßen“, betont der in der Werbebranche
tätige frühere Vorsitzende Mustafa Kücük, der in Zusammenarbeit mit dem Sportlichen Leiter Adem Demirbas bei türkischen Geschäftsleuten fündig geworden ist.
„Es sind bereits Gelder geflossen, außerdem gibt es einen Kandidaten für den Vorsitz“, blickt Demirbas zuversichtlich auf die für den 3. Februar anberaumte
Mitgliederversammlung. Außer Engin Arslan (zum SV Wiesbaden) sei aufgrund der neuen Entwicklung nicht mit weiteren Abgängen, sondern eher mit Zugängen zu rechnen, so Demirbas.
Gräselberger Perspektiven
Die berufliche Beanspruchung als Messebau-Monteur und die Freundschaft zu Spielertrainer Andy Silbereisen hätten den Ausschlag für seinen Wechsel von Biebrich 02 zu A-Ligist SC
Gräselberg gegeben, „keineswegs aber finanzielle Aspekte“, ließ der frühere Wörsdorfer Oberligaspieler Markus Kusch (32) durchblicken. Silbereisen (ebenfalls 32) nahm
den Faden auf: „Bei uns fließt definitiv kein Geld. Alles läuft über freundschaftliche Drähte. Nächste Saison wollen wir oben angreifen.“ Weiterer SCG-Zugang ist
Eugen Suppes vom SC Kohlheck.
Der TuS Dotzheim verzeichnet Maxim Dil (SV Neuhof) und Trung Hien Luu (Kastel 06 II) als Zugänge, Adjmal Bariz (Portugiesischer SV) und Yannick Gaukler (FC Bierstadt) als Abgänge.
A-Liga-Konkurrent Schierstein 08 meldet keine Neuen, dafür mit Christoph Paschek (nach langer Verletzungspause) und Tobias Becker (USA-Aufenthalt) zwei Rückkehrer. Manni Geyer, erfahrener
Coach von B-Ligist VfB Westend, freut sich derweil über acht Neue. Darunter Torhüter Matze Heller (Biebrich 02 II). Dennis Mc Kinnie geht vom VfB nach Rambach. Hellas Schierstein holt Fadi
Semun (Meso), verliert Danjel Nissan (an Meso) und Turgay Erkan (Ziel unbekannt).
WT, 06. 01. 2013
2012
Der letzte Akt eines langen Jubiläumsjahres
FV BIEBRICH 02 Mit ihrem 30. Jugendbetreuerturnier gehen die Blauen in die kurze Weihnachtspause / Kritik an Migrations-Erhebung / Hohe Fluktuation bei Jugendspielern
(hz). Der Ablauf dieses Dezember-Wochenendes hat wie so vieles bei Biebrich 02 Tradition. Samstags steigt die Weihnachtsfeier, sonntags das Betreuerturnier, zu dem der Biebricher
Fußballverein die Jugendausschüsse der Nachbarklubs und die Wiesbadener Schiedsrichtervereinigung in die Halle am Dyckerhoff-Sportfeld einlädt. Gestern schon zum 30. Male. Mit dem
anschließenden Essen der 02-Nachwuchsbetreuer endete das Sportjahr des Vereins, der im Mai sein 110-jähriges Bestehen feierte.
Die letzten Reste des Jubiläums wurden bei der Weihnachtsfeier im „Casa Nova“ in den Richard-Wagner-Anlagen abgehakt. Dazu zählten vor allem die Ehrungen durch den
Sportkreisvorsitzenden Helmut Fritz. Er übergab den 02-Vorstandsmitgliedern Klaus Tobies und Hans Jung den Ehrenbrief des Landessportbundes Hessen. Die gleiche Auszeichnung war Udo Parker, dem
„Macher“ der Internetseite der Blauen, schon eine Woche zuvor bei der Feier des Wiesbadener Kreisfußballausschusses zuteil geworden. Der 02-Webmaster, der darüber hinaus als
Kreispressewart fungiert, hatte an jenem Abend im Dotzheimer Rheineck aus den Händen von Oberbürgermeister Helmut Müller zudem die Bürgermedaille in Bronze erhalten. „Die
hätte ich nicht angenommen, wenn sie nicht Kurt Morlock auch schon hätte“, erklärte Parker am Beispiel des langjährigen „E-Jugend-Generals“ des Biebricher
Fußballvereins, wer in seinen Augen die „wahren Helden“ sind: „Das sind die, die die ganze Woche über jeden Tag auf dem Sportplatz stehen und sich um unsere Kinder und
Jugendlichen kümmern.“ Damit liegt Udo Parker exakt auf der Vereinslinie.
Bei den Blauen kicken derzeit in über 20 Mannschaften gut 375 Nachwuchsfußballer. 76 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Ihre Eltern wurzeln in 47 verschiedenen Ländern. Die
Zahlen sind aktuell, weil sie zur Beantragung des Integartionszuschusses der Stadt erhoben werden mussten. Die 02-Verantwortlichen sind sich mit dem Sportkreisvorsitzenden einig, dass diese Prozedur
zumindest in ihren investigativen Details, verschwinden muss. Ein Jugendtrainer der Blauen hat auf eine entsprechende Frage einmal geantwortet: „Meine Spieler sind alles Biebricher.“ Das
sollte man so sehen, meint auch Jugendleiter Hartmut Steindorf: „Aber wir sind gezwungen, die Kinder zu fragen, aus welchem Land ihre Eltern kommen.“ Ein Gegner der Erhebungspraxis hat
sogar das böse Wort vom „umgekehrten Ariernachweis“ geprägt.
Eine Entwicklung, die gleichfalls nicht im Sinne der 02-Vormänner ist und dem früher im Hessischen Fußballverband sogar satzungsmäßig geschützten Erziehungsziel der
Vereinstreue Hohn spricht, ist die stetig zunehmende Fluktuation. Oft genug herbeigeführt durch überehrgeizige Eltern, die für ihre Kinder jedes Jahr in einem anderen Klub die besten
Karrierechancen wittern. 2012 verzeichneten die Blauen 165 Ab- und 170 Anmeldungen. Das ist der Austausch eines guten Viertels der Mitgliedschaft.
Das gestrige Turnier der Wiesbadener Jugendbetreuer machte indes nur Freude. „Das war das friedlichste seit Jahren“, resümierte Jürgen Dindorf, der das Meeting gemeinsam mit
Kurt Morlock und Julia Seidelmann leitete. „Keine Verletzte und keine Feldverweise“, registrierten auch die Schiedsrichter Ali Gür und „Ossi“ Sauer zufrieden. Im Endspiel
setzte sich der Jugendförderverein AKK (im Halbfinale 1:0 gegen die Kreisschiedsrichtervereinigung) mit 2:0 über Schwarz-Weiß durch, das sich zuvor gegen Klarenthal 1:0 behauptet
hatte. Dritter wurden die Schiedsrichter durch ein 6:5 nach Siebenmeterschießen gegen Klarenthal. Platz fünf: Igstadt - Niedernhausen 7:6 n. S.; Platz sieben: Kohlheck - Nordenstadt 4:2 n.
S.; Platz neun: Biebrich 02 I - Biebrich 02 II 0:2; Platz elf: Kastel 06 - Dotzheim 2:4 n. S.
WT, 17. 12. 2012
Blaue Realos bleiben sich treu
Von Stephan Neumann
Wiesbaden. Bleibt der Fußball-Verein Biebrich 02 ein ewiger Verbandsligist? Ein Club, dem es mit Blick auf die erste Mannschaft an sportlichen Zielen mangelt, weil das vorhandene Budget zwar gut
zum Leben, aber längst nicht zur Umsetzung höherer Ziele reicht? Derzeit weist die Tabelle die "Blauen" als Zehnten aus - mit näherem Kontakt zur hinteren als zur vorderen Zone.
Trotzdem locken noch Herausforderungen. Im neuen Jahr zunächst das von diesem Sonntag auf den 24. Februar verlegte Derby gegen den SVW, später der Pokalhit gegen Kickers Offenbach.
Jugend eigentliche Aufgabe
"Den Klassenerhalt sehe ich überhaupt nicht gefährdet", sagt Horst Klee im Brustton der Überzeugung. Angesichts der 41 Amtsjahre als Vorsitzender kann man seine Einschätzung
getrost als Faktum einordnen. Der 73-Jährige misst den Sinn von Vereinsarbeit ohnehin nicht am Abschneiden der Ersten, sondern sieht das Gesamtmodell. Das weist nach aktuellen Zahlen in der
Nachwuchsabteilung 375 Kinder und Jugendliche aus. Davon 75 Prozent der Eltern mit Migrationshintergrund. "Das", betont Klee, "zeigt deutlich, welche eigentliche Aufgabe wir in unserem Stadtteil zu
erfüllen haben."
Weiterhin verweist der Steuermann auf die seriöse Finanzplanung. Zu Jahresbeginn ermittele man stets das Budget für die kommende Saison, die dann von A bis Z abgesichert sei: "Ich
wüsste niemanden, der noch irgendwelche Forderungen an uns hat. Was wir versprechen, halten wir. Das ist ein Markenzeichen geworden."
Was wiederum anderen nicht gelingt. So befand sich der SV Wiesbaden vor exakt einem Jahr in Zahlungsnöten, die sogar für einen Trainingsstreik der Spieler sorgten. Inzwischen hat der SVW
mit dem Sponsoren-Engagement von Kartina-TV offenkundig das große Los gezogen, wodurch die jahrelang in der Tabelle der ranghöchsten Wiesbadener Amateurteams führenden 02er im
Vergleich der Traditionsclubs an Boden verloren haben.
Horst Klee trägt dieser Realität Rechnung: "Wir werden nicht von Dingen träumen, die sich nicht umsetzen lassen. Wo doch die Hessenliga nicht für mehr Zuschauer bürgt,
sondern höhere Kosten aufwirft und bei den Spielern größere Begehrlichkeiten weckt. Nur wenn jemand von außen über zwei, drei Jahre hinweg Mittel zu Verfügung stellen
würde, könnten wir anders planen. Diese Option sehe ich momentan aber nicht."
So werden die Biebricher ihrer Marschroute treu bleiben und versuchen, aus vorhandenen Ressourcen das Optimum an Ertrag herauszuholen. Sprich, verstärkt eigene A-Jugendliche einzubauen.
Mit Torhüter-Talent Julian Bischoff und Defensivspieler Moritz Christ trägt diese Marschroute schon erste Früchte. Weitere Youngster könnten 2013 folgen, denn Klee hält
winterliche Zugänge in Verbindung mit der Zahlung von Ablösesummen für relativ unwahrscheinlich. Trainer Elvir Melunovic, mit dem Klee eine Vereinbarung bis zum Ende der Spielzeit
13/14 getroffen hat, wird demnach mehr denn je gefordert sein, Talente mit Geduld an die Verbandsliga heranzuführen.
Trainer plädiert für Zugänge
Doch der Coach sieht die Notwendigkeit kurzfristiger Zugänge, nachdem von den Sommer-Zugängen Harmen Baghramian und Markus Kusch nicht mehr verfügbar sind. "Angesichts der
dünnen Personaldecke brauchen wir im Winter zwei, drei Neue, sonst könnte es bei Verletzungen kritisch werden", sagt der Bosnier mit Blick auf das heutige Treffen zwischen ihm, Klee und
Spielausschuss-Chef Thomas Utikal. Parallel gilt Melunovics Augenmerk nach der Absage des Derbys bereits dem nächsten Jahr. Gegen den SVW soll sein Team im Februar an das Hinspiel-0:0
anknüpfen. Am 23. März oder am 17. April steigt dann der Hessenpokal-Knüller gegen Kickers Offenbach.
WT, 06. 12. 2012
Lokalderby voller Brisanz
25.08.2012 - WIESBADEN
Von Stephan Neumann
FUSSBALL Partie zwischen neureichem SV Wiesbaden und Biebrich 02 birgt Zündstoff
Endlich ein Derby mit neuen Reibungspunkten, mit Zündstoff gewissermaßen. Vielleicht der erste Teil einer beginnenden Wachablösung, wenn der SV Wiesbaden am Sonntag (15 Uhr) im
Helmut-Schön-Sportpark vor erwarteten 500 Zuschauern auf den FV Biebrich 02 trifft. 02-Coach Elvir Melunovic wird sich die Teamsitzung sparen können. Wer von seinen Spielern gegen den auf
allen Ebenen runderneuerten Sportverein nicht von sich aus ans Limit geht, hat die Sportart verfehlt. SVW-Spielertrainer Sascha Amstätter: „Wir wissen schon, dass wir auf die
Zer-Brüder aufpassen müssen. Gelingt das, haben wir Biebrich die Haupt-Zähne gezogen.“
Ausgangslage: Während der SVW vergangene Runde Achterbahn fuhr, zwischenzeitlich finanzielle Engpässe zu bewältigen hatte und in der Relegation bis zur letzten Sekunde um den
Verbleib zitterte, mündete die seit jeher auf Beständigkeit, Seriosität und intensive Nachwuchsarbeit ausgelegte Biebricher Marschroute nach schwachem Start noch in einen siebten Rang.
Im Sommer gehörten dann dem SVW die Schlagzeilen: Die Ex-Wehener Sascha Amstätter, Djuradj Vasic, Ermin Melunovic, Rainer Wehner, Rudi Collet und Christopher Hübner fanden sich ein.
Möglich gemacht durch den Sponsoren-Coup mit Kartina-TV, der über drei Jahre vertraglich besiegelt wurde. Einhergehend verfügt der Sportverein nach eigener Aussage nun über einen
weiteren Pool an Gönnern. Parallel nahmen sich die Spieler-Verpflichtungen der 02er geradezu bescheiden aus.
Personal: Aufgrund der Zugänge mit Profi-, Regional- und Hessenliga-Erfahrung scheint der Sportverein besser ausstaffiert. Andererseits: Neben den Zer-Brüdern Volkan und Orkun
zählen bei den 02ern Spielführer Bastian Pilger, Mattis Oestereich und Christian Maus zum Kreis früherer Ausnahme-Talente. Akteure, die Richtung Profibereich schielten, bevor sie
berufliche Prioritäten setzten. Fünf Spieler, die im Derby beweisen können, dass ihre Fähigkeiten weit über Verbandsliga-Niveau hinausreichen. Biebrichs Problem: Trainer
Melunovic musste im Tor verletzungsbedingt schon mehrfach wechseln. Dagegen hat SVW-Keeper Pero Miletic alle Spiele bestritten. Hinter ihm ist Volkan Tekin die Nummer zwei - Biebrichs Stammkeeper der
letzten Runde.
Gunst der Fans: Im vorletzten Heimspiel gegen Oberliederbach saßen kurz vor Anpfiff nicht mal 50 Zuschauer auf der Tribüne der antiquierten Biebricher Dyckerhoffanlage. Das Gros
sicherlich aus dem näheren Vereinsumfeld. Heißt: Die „Blauen“, die in den vergangenen beiden Spieljahren phasenweise durchaus guten Fußball gespielt haben, verfügen
über keinerlei externes Zuschauer-Potenzial mehr. Anders der SVW: 400 Besucher kamen gegen Kastel 06, darunter einige mit blau-orangen Accessoires. Der Sportverein war vielleicht nie ein
Sympathie-Magnet, aber er kann jederzeit bei den Wiesbadener Fußball-Freunden Neugier auslösen.
Reibungspunkte: Wenn ein Verein unterhalb des SV Wehen Wiesbaden den Aufbruch in höhere Klassen in Angriff nehmen kann, ist das der SV Wiesbaden. Das ließ 02-Chef Horst Klee immer mal
wieder verlautbaren. Zuletzt waren beide Traditionsclubs um ein gutes Miteinander bemüht. Seit aber im Sommer der Biebricher D-Jugend-Trainer Uwe Kilian als Jugendleiter zum SVW gewechselt ist,
sind Reibungspunkte entstanden. Kilian habe „verbrannte Erde hinterlassen“, kommentiert 02-Vize Heinz-Jürgen Hauzel im Vereinsmagazin „Die Blauen“ auch im Hinblick auf 22
Spieler-Abmeldungen aus dem D-Jugend-Bereich. Davon abgesehen wird das Derby den ersten Fingerzeig liefern, ob bei den Paradeteams beider Clubs die Wachablösung zugunsten des SVW bevorsteht.
WT, 25. 08. 2012
Integrationsarbeit seit 110 Jahren
Von Hendrik Jung
BIEBRICH 02 Akademische Feier mit Ehrungen, 110 Spendern und Bratwürsten der 11. Generation
Mit einer wort-, aber auch kurzweilig anekdotenreichen Akademischen Feier beging der Biebricher Fußballverein 02 im Bürgersaal der Galatea-Anlage sein 110-jähriges Bestehen. Dabei
vergaß keiner der zahlreichen Redner die Integrationsleistung des Fußballvereins zu würdigen - vom Sportkreisvorsitzenden Helmut Fritz bis zum stellvertretenden
Stadtverordnetenvorsteher Hans-Peter Schickel. Der betonte: „Beim Sport lernt man Fairness gegenüber dem anderen, und man lernt unterschiedliche Fähigkeiten
zusammenzuschweißen.“ Auf diese Weise leisteten die Sportvereine quasi ganz nebenbei eine gewaltige Integrationsleistung. „Seit 110 Jahren integriert ihr Arme und Reiche und
politisch Andersdenkende“, lobte auch Ortsvorsteher Kuno Hahn. Doch die soziale und gesellschaftliche Leistung des FV Biebrich 02 geht weit darüber hinaus. So spricht Sportstadtrat
Wolfgang Gores in seinem Grußwort beispielsweise die Kooperationen mit Vereinen und Institutionen an. Schließlich bietet der Fußballverein gemeinsam mit der Riehlschule
Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung an. Auch Workshops zu Themen wie Gewaltprävention oder Rassismus werden veranstaltet. „Dass dieses Jubiläum gefeiert werden kann,
bedeutet, dass es dem Verein gelungen ist, 110 Jahre lang etwas Außergewöhnliches zu tun“, ist sich Wolfgang Gores sicher.
Was den Verein im Besonderen ausmacht, erläutert dessen Vorsitzender Horst Klee in seinem Festvortrag. „Sportliche Erfolge sind das eine. Wir haben aber immer auch versucht, die Breite
mitzunehmen“, verweist er nicht ohne Stolz auf insgesamt 21 Jugendmannschaften. Rund 380 Kinder und Jugendliche beschäftige der Verein Woche für Woche. Deren Familien wurzeln zwar in
nicht weniger als 45 Ländern. Dennoch laute ein ungeschriebenes Gesetz bei Biebrich 02, dass in der Kabine und auf dem Platz ausschließlich Deutsch gesprochen werde. Denn wenn jeder jeden
verstehe, müsse niemand das Gefühl haben, dass heimlich über ihn geredet wird. „Wir sind froh über jeden, der zum Sportplatz kommt und ein Gemeinschaftsleben erfährt,
das man in der Gesellschaft so kaum noch findet“, betont Horst Klee, dass sich in seinem Verein wirklich jeder willkommen fühlen soll.
Förderung in der Breite sei ihm auch bei der Finanzierung des Vereins wichtig. So kann er zufrieden darauf verweisen, dass im vergangenen Jahr 53 000 Euro an Spenden in die Kasse geflossen
sind, die von weit mehr als 20 verschiedenen Gebern stammten. Der Unternehmer Armin Brandenburger, der Kopf des 02-Freundeskreises knüpfte nahtlos an. Unermüdlich habe er sich
anlässlich des Jubiläums auf die Suche nach Menschen gemacht, die sich zu einer Spende in Höhe von 50 Euro bereit erklären. Und er hat so lange gesucht, bis er 110 Spender
beisammen hatte, so dass er im Rahmen der akademischen Feier eine finanzielle Zuwendung in Höhe von 5500 Euro übergeben konnte.
Doch das ist nicht die einzige Form der Unterstützung, die der Verein braucht. „Bei 380 Kindern müsste man glauben, dass wir Funktionäre am Fließband haben. Aber: Wir
suchen derzeit einen Trainer für die Bambini“, betont Horst Klee, dass sich der Verein in dieser Hinsicht in einem Umbruch befindet.
Klee wird schließlich von Günter Noerpel, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Biebricher Vereine und Verbände, bescheinigt, dass er mit nunmehr 41 Jahren als
Vereinsvorsitzender zum alleinigen Rekordhalter im Stadtteil aufgestiegen ist. „Du steigst noch auf in den Olymp“, prophezeite er lachend.
Doch auch andere Vorstandsmitglieder sind bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich aktiv. Als große Herausforderung für den Verein sieht es Horst Klee deshalb einerseits an, die
Verantwortung an die nächste Generation weiterzugeben. Zum anderen liege sie darin, das besondere Gemeinschaftsgefühl im Verein aufrecht zu erhalten. Folgerichtig wird im Anschluss erst das
ehrenamtliche Engagement zahlreicher Mitglieder gewürdigt, bevor man den Sonntagvormittag bei eins, zwei Gläsern Henkell und einer Bratwurst der 11. Generation gemeinsam feiernd
beendet.
WT, 07. 05. 2012
Auch bei den Blauen ist die Ewigkeit endlich
FV BIEBRICH 02 Hartmut Steindorf stellt Bedingungen fürs Weitermachen: „Erstes Ziel muss auch heute noch sein, die Jugendlichen an den Verein zu binden“
(red). Bei Biebrich 02, dem größten Fußballverein in Wiesbaden, ist Veränderung beinahe so ein Fremdwort wie Schulden. Während aber Kassierer Ulrich Janocha auch
für das vergangene Geschäftsjahr bei Einnahmen und Ausgaben von knapp über 180 000 Euro erneut auf eine ausgeglichene Bilanz und ein paar Groschen im Sparstrumpf verweisen konnte,
dämmert am Horizont das Ende einer Ära in Form von personellen Veränderungen. Vorsitzender Horst Klee, der den Verein seit 1971 eine halbe Ewigkeit lang führt, bleibt zwar im Amt,
aber Werner Kuhn, der 38 Jahre dem Vorstand angehörte, schied aus dem Gremium aus. Und Hartmut Steindorf, seit 34 Jahren Jugendleiter, stellte sich nicht zur Wiederwahl, führt die
Jugendabteilung vorerst aber kommissarisch weiter.
Er nannte drei Gründe für seine Entscheidung: Die persönliche Belastung wolle er in gleichem Maße nicht mehr tragen. Dann müsse im Aktivenbereich die zweite Mannschaft
mehr Beachtung finden: „Mir geht es nicht um die Talente, die geeignet sind, den Sprung in unsere Verbandsligamannschaft zu schaffen. Mir geht es um die anderen. Wir bieten nicht nur
Leistungs-, sondern auch Breitensport. Jeder Biebricher Bub kann bei uns Fußball spielen. Das muss auch noch für die gelten, die aus der Jugend herausgewachsen sind.“ Aus diesem
Kreis seien früher die Vorstandsmitglieder rekrutiert worden. Als dritten Grund für seine schwindende Motivation nannte Steindorf die Veränderung in der Einstellung auch bei den
Betreuern. Es müsse wieder mehr der Blick von der eigenen Mannschaft hin auf die Gemeinschaft aller Blauen gelenkt werden. „Unser Ziel muss auch heute noch sein, die Jugendlichen an den
Verein zu binden. Ich betrachte es als Hauptaufgabe, jedem zu vermitteln, wir sind ein Teil vom Ganzen.“
Steindorf machte deutlich, dass er nun eine Reaktion erwartet. „Wenn wir jetzt die Dinge verändern und mehr Mitstreiter finden, die diesen Weg mitgehen wollen, dann ist das letzte Wort
vielleicht noch nicht gesprochen.“ Horst Klee und sein Vize Jürgen Hauzel haben das Thema zur Chefsache erklärt. Der Vorsitzender appellierte: „Wenn wir alle zusammenbleiben und
zusammenhalten und vielleicht den einen oder anderen dazugewinnen, der auch durchhält und nicht beim ersten Rückschlag die Brocken hinwirft, werden wir auch in Zukunft eine Spitzenposition
in Wiesbaden einnehmen.“
Die 47 anwesenden Mitglieder bestätigten die zu wählenden Vorstandsmitglieder Jürgen Hauzel (2. Vorsitzender), Thomas Utikal (Spielausschussvorsitzender), Ali Gür, Charalampos
Mentis (Spielausschuss), Jürgen Dindorf (Schriftführer), Kerstin Prassol und Hans Jung (Beisitzer) einstimmig.
WT, 30. 04. 2012
29 Punkte gehen flöten
SCHIEDSRICHTER-SOLL 21 Vereine betroffen
(nn). Insgesamt 8 815 Euro müssen Wiesbadener Fußballvereine in dieser Runde an den Hessischen-Fußball-Verband (HFV) überweisen, weil sie ihr Schiedsrichter-Soll in der
Vergangenheit nicht erfüllt haben. Summa summarum werden obendrein 29 Punkte abgezogen. Bemerkenswert: Selbst die Verbandsligisten FV Biebrich 02 (ein Punkt/800 Euro) und SV Wiesbaden (1/1 600)
sind betroffen.
Die weiteren Strafen, Kreis-Oberliga: SC Klarenthal, SG Germania (je 2/je 700), FV Delkenheim, Kostheim 12, SKG Karadeniz (je 1/je 350), FC Naurod (0/350), VfR (0/175).
A-Liga: SC Gräselberg, Schwarz-Weiß, TuS Medenbach, FC Nord (je 2/je 320), Italia/Rhein-Main (1/160), Schierstein 08, Grün-Weiß (je 0/je 80).
B-Liga: Phoenix Breckenheim (2/320), Biebrich 19, Schierstein 13, Schierstein 79, SG Igstadt/Kloppenheim (je 1/je 160), Blau-Gelb (0/80).
C-Liga: SV Sauerland (2/320), CD Espanol (1/160).
Frauen, Gruppenliga: MFFC (1/160).
WT, 26. 04. 2012
Weltmeister Jürgen Grabowski fachsimpelt beim AH-Treffen mit ehemaligen Wiesbadener Fußball-Cracks
Von Olaf Streubig
Hermann Bach fackelt nicht lange. Ein kurzer Blick voraus, eine bedachte Bewegung mit dem rechten Fuß, dann segelt der Ball in einen sieben Meter entfernt postierten Eimer. Präzision
und Torinstinkt verlernt man nicht, auch nicht mit 76 Jahren. Der frühere Sonnenberger Mittelläufer strahlt und wirkt ein bisschen überrascht. Drei gefühlvolle Heber später -
alle samt Volltreffer - erntet Bach Applaus von einstigen Mitstreitern und Gegenspielern.
150 ehemalige Fußballer aus 22 Wiesbadener Vereinen waren in der Bierstadter Bärenhalle zusammengekommen, um gemeinsam zu feiern, zu fachsimpeln und bei einem „Modernen
Fünfkampf“ noch mal locker gegen den Ball zu treten. Auch über der achten Auflage des „Alte Herren“ Treffens strahlte dank Jürgen Grabowski wieder weltmeisterlicher
Glanz. Der frühere Flügelflitzer von Eintracht Frankfurt und Weltmeister von 1974 ist zwar seit 20 Jahren ausschließlich als passionierter Golfer am Ball, in der heimischen
Fußballer-Familie ist der 67-Jährige aber fest verwurzelt. „Gerade zu meinem alten Verein Biebrich 02 habe ich nie den Kontakt verloren und pflege noch viele Freundschaften“,
sagt Grabowski, der in Taunusstein lebt. An seine Anfänge bei den 02ern kann er sich noch gut erinnern: „Als Jugendliche haben wir barfuß auf den Rheinwiesen gekickt und die Spieler
der Männermannschaft bewundert. Entsprechend aufgeregt waren wir dann als 18-Jährige mit unseren Idolen auflaufen zu dürfen.“ Einer der Biebricher Helden der 1960er Jahre
hieß Christian „Piep“ Müller. „Ein brillanter Fußballer und ein Entertainer“, erzählt Grabowski und lacht. Müllers Markenzeichen war ein kleiner
schwarzer Kamm im linken Stutzen. „Nach jedem Kopfball musste ich die Frisur wieder richten. Das war Gaudi für die Fans“, sagt Müller und meint „heute geht leider alles zu
verbissen und zu ernst zu.“
Außerdem vermissen die Kicker-Veteranen im heutigen Amateursport den Zusammenhalt. „Früher waren Kameradschaft und Vereinstreue ausgeprägter“, weiß Hermann Bach.
Er hielt seiner Spielvereinigung Sonnenberg stets die Treue, selbst als der damalige Zweitligist SV Wiesbaden einen Vertrag und 80 Mark - in den 1950er Jahren viel Geld - pro Monat bot.
Tolles Rahmenprogramm
„Die Mentalität früher war ganz anders. Wir waren in der Jugend ja schon begeistert, im Verein mal mit einem echten Lederball spielen zu dürfen. Sonst haben wir mit einem
Lumpenball oder Kronkorken gekickt“, erinnert sich Erwin Müller. Gemeinsam mit seinem früheren Biebricher Teamgefährten Alfred „Bubi“ Meinhardt hatte der Bierstadter
auch diesmal wieder das AH-Treffen organisiert - mit tollem Rahmenprogramm und viel gemeinsamem Gesang. Akustisch überzeugten die Fußballer allerdings etwas weniger, als zuvor bei ihren
Kunststücken mit dem runden Leder.
WK, 26. 03. 2012
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